Mittwoch, 18.03.2020 (Tag 28)

Wir schlafen aus, unser Shuttle geht erst um 13.00Uhr und wir haben ausser Frühstücken und Zelt abbauen nichts vor. Bevor wir in den Bus steigen, erfahren wir noch per Mail von unserem Airbnb-Vermieter, dass sie das Hostel aufgrund der Sicherheitsmassnahmen wegen dem Coronavirus schliessen und sie uns aber in einer Wohnung, die sie auch vermieten, unterbringen können. Da haben wir ja nochmals Glück gehabt! Zurück in Puerto Natales müssen sich alle, die aus dem Nationalpark zurückkommen in einer Schlange anstellen. Alle müssen Namen, Nationalität, Symptome und letzter Aufenthalt in Europa angeben. Sogar die Temperatur wird bei allen gemessen! Dann geht’s auf zu unserer Wohnung. Die Vermieterin informiert uns darüber, dass es hier in der Stadt noch keine Coronafälle gibt, aber im 3 Stunden entfernten Punta Arenas 2 Fälle. Auch in Chile wurde nun der Notstand ausgerufen und man sollte wenn möglich zu Hause bleiben und immer mind. 2 Meter Abstand zu anderen Leuten halten. So wie sich hier das Ganze entwickelt hat, sind wir super happy. Wir haben eine eigene, kleine, gemütliche Wohnung, in welcher wir, wenn nötig auch 2 Wochen oder sogar länger bleiben dürfen. Wir entscheiden uns dafür, mal 2 Wochen hier zu bleiben und abzuwarten wie sich die Lage entwickelt. Wir denken, es ist sinnvoller, als jetzt durch ‘verseuchte’ Flughäfen und Menschenmengen zurück in den Hotspot des Virus nach Europa zu reisen. Wir bringen unsere Wäsche in die Wäscherei und gehen im Unimark einkaufen – so, dass wir gut 1 Woche versorgt sind. Vor dem Unimark finden wir eine Schlange: Sie lassen immer nur 50 Personen gleichzeitig in den Laden. Es scheint uns hier alles ziemlich gut organisiert. Zurück in der Wohnung richten wir uns ein und starten mit einer Netflix Serie: Narcos 😊.


Dienstag, 17.03.2020 (Tag 27)

Wir haben uns am Abend zuvor entschieden nicht für den Sonnenaufgang oben bei den Torres zu sein, sondern etwas später. Der Weg vom Chileno nach oben wird mit 2h45min angegeben und wir denken, wir werden etwas schneller sein. Um 5 Uhr klingelt unser Wecker, wir ziehen uns schnell warm an und bauen unser Zelt im Dunkeln ab. Nach einem Frühstück in der warmen Hütte mit Stirnlampen laufen wir um 06.40 Uhr los, auch noch im Dunkeln mit Stirnlampen. Wir kommen schnell voran, der Weg durch den Wald ist nicht steil und einfach zu finden. Langsam wird es etwas heller und wir merken, dass wir viel früher ankommen werden als gedacht… Plötzlich überholt uns aus dem Nichts eine Fuchs auf dem Weg ohne uns gross Beachtung zu schenken. Die letzten 40 Minuten des Weges sind sehr steil und anstrengend, aber die Aussicht umso schöner. Hinter uns der Sonnenaufgang mit den orangen Wolken, vor uns die orangen Spitzen der Torres. Nach nur 1 Stunde und 30 Minuten kommen wir oben an und wir regen uns kurz darüber auf, dass wir den Sonnenaufgang direkt vor den Torres nur wegen ein paar Minuten verpasst haben!! Erholen uns aber schnell davon 😊. Die Spitzen sind zwar nicht mehr orange aber die Aussicht ist trotzdem überwältigend! Wir haben einen super Tag mit kaum Wolken erwischt. Der Wind zischt uns ganz schön um die Ohren und wir sind vom Wandern natürlich verschwitzt. Wir ziehen alle Schichten an, die wir dabeihaben, machen ein paar Fotos und essen Gipfelschokolade mit Michael und Elisa, die wir hier wieder treffen (wie auch immer wieder unterwegs in den letzten 2 Tagen). Dann geht’s auch schon wieder auf den Weg nach unten. Nach dem steilen Part kommen wir am Camping Las Torres Base Camp vorbei, wo uns ein Ranger entgegenkommt und uns anhält. Was er zu sagen hat wollen wir nicht wirklich hören und glauben. Gemäss ihm würde heute der ganze Park aus Sicherheitsgründen wegen dem Coronavirus schliessen und wir müssen diesen noch heute verlassen. Enttäuscht und gleichzeitig angetrieben von dieser Information laufen wir nun noch schneller vom Berg runter. Im Camping Chileno angekommen sagt jeder Tourist und auch jeder Parkmitarbeiter etwas anderes. Anscheinend können wir die Nacht doch noch unten im Camping Central verbringen, wo wir schon reserviert haben und müssen den Park dann erst morgen verlassen. Schauen wir mal, was uns unten gesagt wird. Wir sind nun mit dem gesamten Gepäck nochmals 1,5 Stunden unterwegs zum Camping Central und informieren uns dort gleich über die neuste Lage. Der Parkmitarbeiter hier meint, wir können im Park bleiben und unsere Runde fertig machen. Wer schon im Park ist und Reservierungen auf den Campingplätzen hat, könne bleiben. Das hört sich doch schon viel besser an, aber irgendwie wissen wir nicht, ob wir das glauben sollen… Wir laufen also ein paar Minuten zum Welcomecenter des Parks und fragen auch dort nochmal nach. Die Mitarbeiterin dort meint: Am 21.03 wird der Park definitiv komplett schliessen und alle Ranger und Mitarbeiter werden den Park spätestens dann verlassen. Unsere Runde wäre aber erst am 22.03 zu Ende, was bedeuten würde, wir wären dann im Park ohne Mitarbeiter, Bus- oder Bootsverbindungen und ohne Empfang gestrandet. Das klingt nicht so gut 😉 und wir entscheiden uns gleich für den nächsten Tag ein Shuttleticket zur Laguna Amarga zu kaufen und von dort dann den Bus zu nehmen zurück nach Puerto Natales. Hier im Welcomecenter könne wir uns für 1h Internetzugang kaufen und verschieben sogleich unsere Airbnb Buchung um ein paar Tage nach vorne, was zum Glück klappt. Ausserdem werden wir über Whatsapp mit allen eingegangenen Nachrichten bombardiert – da hat sich wohl in der Schweiz auch so einiges getan in den letzten Tagen 😊. An diesem milden Abend kochen wir am Tisch direkt neben unserem Zelt und es gesellen sich noch 2 deutsche Pärchen (Danny&Lena, Christin&Philipp) zu uns. Wir haben einen lustigen Abend und alle fragen sich, wie es wohl weitergeht mit den geplanten Reisen, in welcher Richtung hier unten das Wasser abfliesst und weshalb die Sonne hier über Norden wandert 😉.


Montag, 16.03.2020 (Tag 26)

Wir wachen nach einer durchzechten Nacht mit viel Wind und dadurch viel Lärm um 8 Uhr morgens auf. Da es immer wieder leicht regnet tun wir uns etwas schwer aus dem Zelt zu steigen, schaffen es dann aber trotzdem. Wir kochen uns wieder Frühstück, welches über die 9 Tage immer das gleiche sein wird (meine liebste Mahlzeit des Tages) und kochen uns gleich noch eine Packung Pasta vor. Wir haben nämlich erfahren, dass wir im Camping heute Abend nicht kochen dürfen… (Wahrscheinlich wegen dem starken Wind und der dadurch entstehenden Brandgefahr). Wir schaffen es sogar das Zelt trocken abzubauen und die Sonne zeigt sich immer mehr als wir gegen 10.20 Uhr loslaufen. Was für ein herrlicher Tag. Es windet zwar wie immer hier unten relativ stark, aber die Sonne scheint und das Panorama, welches sich uns bietet ist wunderschön! Die Wanderung startet an der Küste des mintblauen Gletschersees, geht dann eine Strecke durch den Wald und bevor der steile, eher karge Anstieg kommt laufen wir durch weite, gelb-goldige Wiesen «Fields of Gold». Nach anstrengenden 4h40 inklusive einer 30minütigen Pause, kommen wir verschwitzt und müde beim Camping Chileno an. Es ist ein schöner Platz hier oben, aber sehr windig! Wir können unser Zelt wieder auf einer Holzplattform (mit Nägeln und Hammer) aufstellen und sind da oben im Wald etwas vor dem Wind geschützt. Da ich (Tanja) fast am erfrieren bin 😉 freue ich mich (und Dani natürlich auch) auf eine heisse Dusche, setzten uns danach kurz in die Sonne und essen dann unsere Pasta im Aufenthaltsraum (welche uns der Koch netterweise mit der Sauce zusammen aufwärmte). Wir spielen danach ein Yatzy und unterhalten uns mit 2 Schweizern und 2 Australiern neben uns. Wie bereits am ersten Tag ist das Hauptthema das Coronavirus und vor allem die damit verbundenen Grenzschliessungen. Argentinien hat seine Grenzen geschlossen und unser nächstes Ziel – der Perito Moreno Gletscher – soll angeblich komplett geschlossen sein… Alle fragen sich, ob es wohl Neuigkeiten gibt und wie ihre Reise weitergeht. Hier oben haben wir auf alle Fälle keinen Empfang und die Gerüchteküche brodelt 😉.


Sonntag, 15.03.2020 (Tag 25)

Um 06.00Uhr stehen wir auf. Mit Schrecken müssen wir feststellen, dass wir in der Nacht Besuch hatten. Den Abfall, welchen wir am Vorabend nicht im Rucksack verstauten sondern im Vorzelt, liegt verstreut umher. Obwohl wir am Vorabend noch daran dachten, kam es uns nicht in den Sinn den Abfall anderweitig zu verstauen («Anfängerfehler» 😉). Im Nationalpark gibt es nämlich keine Abfalleimer und alles muss mitgenommen werden. Naja schon passiert!! Wir machen uns zum Frühstück Haferflocken mit heisser Milch (Milchpulver und Wasser), kochen Tee und Kaffee. Ich wasche das Geschirr im Fluss ab und Tanja säubert das Vorzelt und ihren Rucksack von ganz kleinen Kotkügelchen. Wahrscheinlich waren die nächtlichen Besucher Mäuse. Wir bauen danach unser Zelt ab und deponieren unsere grossen Rucksäcke gleich neben der Rangerhütte. Auf geht’s via Frances Lookout zum Brittanico Lookout, einem Aussichtpunkt auf die umliegenden Berge und kleinen Gletscher oberhalb des ersten Campings. Hoch und runter benötigten wir ca. 4h15. Die Aussicht ist wunderschön. Nach einer kleinen Zwischenmahlzeit (wieder Kräcker, Nüsse und Salami, diese Mal ohne Käse, da dieser von den Mäusen angeknabbert wurde) machen wir uns auf den Weg zum nächsten Camping (Camping Cuerno), welcher 5km entfernt ist. Wir wandern oberhalb des grossen Gletschersees «XXX» und geniessen die schöne Natur unter strahlend blauem Himmel und vereinzelten kleinen Wölkchen. Die Rucksäcke fühlen sich immer noch gleich schwer an 😉. Im Camping Cuerno angekommen bauen wir unser Zelt auf einer hölzernen Plattform mit Nägeln auf. Wir nehmen dann eine warme Dusche und kochen uns dieses Mal Reis mit einer Fertigsauce und zwar «Stroganoff». Wir sind uns was den Geschmack anbelangt Besseres gewöhnt, essen aber alles auf. Auf dem Camping, welcher von Fantasico Sur geführt wird, hat es neben Zeltplätzen auch Zimmer und kleine Hüttchen sowie ein Aufenthaltsraum zum Kochen, eine kleine Bar und einen Essraum für jene die keine Lust haben zum selber kochen. In der Bar genehmigen wir was zum Trinken und spielen Yatzy. Da unser Camping direkt am See liegt, wollen wir den Steinstrand und die Aussicht noch ein wenig geniessen. Dies gestaltet sich jedoch etwas schwer… Durch die starken Windböen wird das Wasser immer wieder in die Luft gewirbelt und dann über den -Strand hinweggefegt. Wir brechen den ‘Ausflug’ daher nach 5 Minuten wieder ab 😊. Am Abend und in der Nacht wird es extrem windig und unser Zelt schüttelt es hin und her, hält aber stand.


Samstag, 14.03.2020 (Tag 24)

Um 12.00Uhr kommen wir mit dem Katamaran in Paine Grande an. Auf der Fahrt dorthin treffen wir Michael und Elisa aus Deutschland, welche drei Wochen unterwegs sind und unterhalten uns kurz mit ihnen. Bevor es losgeht machen wir uns noch heissen Tee, Tanja nimmt einen Kaffee und wandern dann Richtung Camping Italiano. Unterwegs ist es zum Teil extrem windig und gelegentlich regnet es ein wenig. Nach 7.5km und 2.5h kommen wir verschwitzt, aber nicht verregnet an. Die Rucksäcke sind schwer (gefühlt schwerer als vor Reisebeginn 😊, natürlich haben wir Essen für 9 Tage dabei) und wir denken beide, dass wir trotzdem viel Zuviel mitgenommen haben. Die Landschaft ist wunderschön. Der Camping Italiano wird vom Nationalpark (CONAF = ) geführt, ist gratis und liegt in einem Wald direkt neben einem Gletscherbach. Es gibt bis auf 2 Plumpsklos und ein Holzhäuschen zum Kochen nicht Spezielles. Wir bauen unser Zelt auf und essen dann Käse, Kräcker und Salamiwürstchen zu Mittag (resp. zum Zvieri) 😊. Nach einem kleinen Nickerchen kochen wir uns am frühen Abend Riz Casimir und damit ist auch die erste und letzte Dose bereits verbraucht und das Gewicht beim Tragen nimmt hoffentlich am nächsten Tag etwas ab 😉. Wasser holen wir aus dem nahegelegenen Gletscherbach, welches nicht gefiltert werden muss um es zu trinken. In der Schweiz haben wir uns einen Wasserfilter gekauft und entscheiden uns diesen zu gebrauchen, wenn wir ihn schon dabeihaben. Früh geht es dann ohne Dusche ins Bett um ca. 21.00Uhr.

Los geht’s!! Wir stehen um 06.00Uhr auf, denn unser Bus fährt um 07.00Uhr Richtung Pudeto. Um 10.00Uhr sollten wir dort sein und nehmen einen Katamaran zum Eingang Paine Grande. Vor dort startet unser Trek im Gegenuhrzeigersinn (siehe unten). Wir hoffen, dass das Wetter einigermassen gut ist und die Wetterberichte (siehe ebenfalls unten) nicht stimmen 😊.

 

So wir sind für die nächsten 10 Tage OFFLINE. Ab Montag, 23.03, versuchen wir dann die ersten Berichte und Bilder vom Park online zu stellen.

 

Wenig Kontakt und gute Händedesinfektion und gute Gesundheit wünschen wir euch 😉.

 

Daniel und Tanja


Freitag, 13.03.2020 (Tag 23)

Wir frühstücken im Airbnb Haus (Käse, Schinken, Toast, Müsli, Kaffee, Tee, Fruchtsaft) und machen uns gestärkt auf den Weg erneut ins Zentrum. Dort kaufen wir endlich unsere restlichen Sachen ein (erneut hat es eine lange Warteschlange 😉). Dann spazieren wir ein bisschen umher und gehen in ca. 6 Apotheken um noch Händedesinfektionsmittel zu kaufen. Wir finden aber keines, vermutlich auf Grund der aktuellen Coronavirus (COVID-19) Pandemie, welche sich langsam überall ausbreitet. Einige Fälle hat es bereits in der Región Metropolitana um Santiago de Chile (gemäss Google Recherche) gegeben, tausende Kilometer von uns entfernt. Ob es bereits bei uns unten in Puerto Natales ist, wissen wir nicht. Wir fühlen uns ABER FIT und MUNTER 😊. Im Büro der Nationalparkbehörde CONAF lösen wir die Tickets für den Nationalpark und geben an wieviele Tage wir dort sind. Schauen eine 4-minütigen Film über den Park, was erlaubt ist und was nicht. Später am Nachmittag packen wir all unsere Sachen, die wir für unseren 9-Tages-Trek benötigen, in die grossen Rucksäcke ein. Am Abend gehen wir dann im Cafe/Restaurant El living essen.


Donnerstag, 12.03.2020 (Tag 22)

An diesem Morgen schlafen wir aus, packen all unsere Sachen zusammen und Frühstücken um ca. 10.30Uhr. Wir informieren uns über Aktivitäten und Ausflüge, die wir im nördlichen Patagonien nach Puerto Natales und dem Trek im Torres del Paine Nationalpark machen können. Um 15.00 fährt unser Bus ab und wir kommen pünktlich um 18.00 Uhr in Puerto Natales an. Wir checken im Airbnb «Lago Condor» ein und gehen dann ins «Zentrum» und schauen, ob wir die restlichen Sachen insbesondere Porridge, Currypulver sowie noch 2-3 weitere Saucen für Reis, Pasta und Couscous finden. Bis auf Porrige finden wir alles 😊. Die Schlange im Supermarkt, hauptsächlich von Gore-Tex tragenden Ausländern, ist unendlich lang und wir entscheiden uns, alles am nächsten Tag zu kaufen in der Hoffnung, dass es nicht so viele Leute hat. Dann gehen wir im Cafe Kaiken essen. Statt Lachsravioli (hat keine mehr) gibt es Spinat resp. Dörrtomatenravioli und zum Dessert einen Apfelstrudel mit Vanilleglace.


Mittwoch, 11.03.2020 (Tag 21)

Punta Arenas, eine Stadt mit ca. 125'000 Einwohner in der Region Magallanes y de la Antártica Chilena hat eigentlich bis auf ein paar Museen und ein paar wenigen Wanderungen in der Umgebung nichts Spezielles zu bieten resp. wir haben uns um ehrlich zu sein auch nicht näher informiert. Wir wollen den Tag nutzen um etwas zu chillen und die notwendigen Lebensmittel für den bevorstehenden 9 Tages-Trek im Torres del Paine zu besorgen. Wir fahren daher zu einem Areal mit mehreren grösseren Einkaufsläden.  Die meisten Sachen können wir einkaufen. Currypulver um einmal Riz Casimir zu machen und fertiges Porridge, welches man nur mit Wasser verdünnen muss, suchen wir vergeblich trotz abklappern diverser Läden entlang der Strasse. Ein Uber bringt uns dann in ein Einkaufszentrum (Unimarc = regionaler Lebensmittelhändler) in der Nähe unserer Unterkunft.  Auch dort finden wir die gewünschten Sachen nicht, daher kaufen wir noch etwas fürs Abendessen ein und machen es uns dann zu Hause am Abend gemütlich. Morgen müssen wir erst um 15.00Uhr denn Bus nach Puerto Natales nehmen.


Dienstag, 10.03.2020 (Tag 20)

Wir verschlafen und stehen deshalb etwas zu spät auf. Es wird ein stressiger Morgen, um 8 Uhr fährt unser Bus nach Punta Arenas. Um Punkt 08.00 Uhr setzt uns Alfredo direkt neben dem Bus ab. Leider wird es deshalb ein sehr kurzer Abschied – wir hatten eine tolle Zeit in seinem Zuhause.

 

 

An der Grenze zu Chile in San Sebastian werden alle Passagiere durch einen Spürhund auf illegale Nahrungsmittel- und Drogeneinfuhr kontrolliert. Ohne Problme kommen wir nach ca. 11 Stunden Busfahrt am Abend um 19.15Uhr in Punta Arenas an. Bei der Überquerung des Estrecho de Magallanes mit der Fähre sehen wir sogar ein paar schwarz-weisse Commerson Delfine 😊 Mit einem Uber fahren wir direkt zu unserer Airbnb Unterkunft, gehen in einem kleinen Laden um die Ecke etwas einkaufen und «kochen» uns Abendessen (Pasta mit Tomatensauce 😊).


Montag, 09.03.2020 (Tag 19)

Wir schlafen wieder etwas länger und machen uns um 11.30 auf den Weg zum Glaciar Martial, dieser liegt direkt oberhalb von Ushuaia. Mit dabei ist Danny. Er hat sich am Abend zuvor kurzfristig entschieden, mit uns mitzukommen. Es ist 20 Jahre her, dass er das letzte Mal da oben war. Wir fahren ca. 15 Minuten hoch, dort wo im Winter der Sessellift für die Skipiste startet und laufen dann in ca. 1,5Stunden bis direkt unter den Gletscher. Von dort oben haben wir eine wunderschöne Aussicht über Ushuaia, den Hafen und die umliegenden Berge. Wir geniessen den ruhigen Moment und als uns kalt wird laufen wir gemütlich wieder runter. Beim Parkplatz angekommen gönnen wir uns einen Kaffee und ein dickes Stück Kuchen im La Cabaña Casa de Té ein super süsses Hüttchen mit meeega feinen und deftigen Desserts. Danny fährt uns dann ins Zentrum, wo wir uns nun definitiv verabschieden müssen. Wir werden ihn, seine Familie und Freunde nie vergessen und sind ihnen sehr dankbar für diese schöne Erfahrung!!  Wir gehen wieder in ein Café mit guter Internetverbindung um alle Fotos auf unsere Cloud hochzuladen. Zu Hause kocht Alfredo wieder super fein! Dieses Mal nur für Dani, da wir 1. noch Pastareste haben und ich 2. eine Fleischpause brauche 😉. Für Dani gibt’s «Estofado de cordero» (Lammeintopf). Ein kleines Stück muss ich trotzdem probieren: suuuuper fein! Auch dieser Abend mit Alfredo wird sehr schön, spannend und gemütlich.


Sonntag, 08.03.2020 (Tag 18)

Heute machen wir einen Ausflug mit der Organisation Piratours. Kurz gesagt fahren wir mit dem Bus zur Estancia Harberton (älteste Farm von Tierra del Fuego gegründet von Thomas Bridges im Jahre 1871), wo wir das Marinebiologie-Museum Acatushún de Aves y Mamiferos Australes besuchen, gehen dann mit einem kleinen Boot (mit ca. 20 Leuten) zur Pinguininsel Isla Martillo. Wir kommen den Pinguinen da unglaublich nahe!  Nach einer Stunde auf der Insel geht’s mit dem kleinen Boot zurück und dann mit einem grösseren durch den Beagle Kanal vorbei am kleinen Leuchtturm Faro Les Éclaireurs. No more words needed: die Bilder sprechen für sich 😊.

 

Den späteren Nachmittag chillen wir zu Hause und um 21 Uhr werden wir von Danny abgeholt und gehen zum Ravioliessen. Es sind wieder alle da, Danny’y Frau Patty, ihre gemeinsame Tochter Augustina, deren Cousine Victoria, die Englischlehrerin Anita und ihr Mann George. Es wird ein wunderschöner Abend mit super feinen Raviolis und lustigen, spannenden Gesprächen. Danny leitet am Schluss des Abends eine ‘Toast-Runde’ ein. Jeder soll sagen, wofür er oder sie dankbar ist.  Es werden so viele schöne und herzliche Worte gesagt, dass wir alle total gerührt sind. Danny meint, es wäre sein Ziel, da wir so weit weg sind von zu Hause, dass wir uns bei ihnen wie zu Hause fühlen. Also das haben diese lieben Menschen definitiv geschafft!!


Samstag, 07.03.2020 (Tag 17)

Zum Glück haben wir heute nichts Spezielles vor. Es regnet in Strömen und wir schlafen erstmal bis am Mittag. Nach dem ‘Frühstück’ machen wir uns auf den Weg ins Zentrum und schauen uns Ushuaia etwas genauer an. Wir besuchen das Museum Galería Temática, welches über die Entstehung Ushuaias erzählt, setzten uns danach in ein Café, schreiben an unserem Tagebuch und geniessen die gute Internetverbindung 😉.


Freitag, 06.03.2020 (Tag 16)

Heute wollen wir entlang dem Beagle Kanal wandern. Auf dem Weg zum Park nimmt uns ein freundlicher Herr aus Ushuaia mit. Während der Fahrt versuchen wir ein wenig auf Spanisch zu kommunizieren. Wie am Vortag steigen wir beim Parkeingang aus, verabschieden uns vom Fahrer und er fährt wieder zurück. Kurz darauf bemerkt Tanja, dass sie die Kamera im Wagen liegen gelassen hat. Ratlos stehen wir ein paar Sekunden herum. Scheisse und jetzt? Kein Name, keine Autonummer. Wir wissen nur, dass es ein silbriges Auto war. Wir melden uns bei den Parkwächtern und geben ihnen unsere Telefonnummer in der Hoffnung, dass der «nette» Autofahrer die Kamera auf dem Rücksitz bemerkt und hoffentlich im Laufe des Tages zurückbringt. Da aktuell kein weiteres Auto kommt, machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum ca. 2.1km entfernten Kanal, wo der Wanderweg beginnt. Nach ca. 15min nähert sich ein Auto und darin ein Mann, der etwas in der Hand hält und es hin- und herschwenkt. Kaum zu glauben es ist der Autofahrer von vorher und in der Hand hat die Kamera. Wir sind ihm unglaublich dankbar und wollen ihm zum Dank ein paar Pesos geben. Er lehnt dankend ab und bringt uns sogar noch bis zum Ensenada Zaratiegui, dem Startpunkt der Wanderung. Bevor er losfährt, lädt er uns auch noch zum Essen bei sich zu Hause ein. Etwas überrascht von der Freundlichkeit sagen wir ihm für am selbigen Abend zu und er gibt uns seine Adresse und Handynummer. Die anschliessende Wanderung entlang dem Kanal und durch den Wald ist wunderschön und trotz wolkenbehangen Himmel genehmige ich (Daniel) mir ein kurzes Bad im Meer resp. im Beagle Kanal. Kurz darauf ist der Wanderweg zu Ende und wir gehen noch kurz ans Ende der Ruta Nacional 3, welche in Buenos Aires ihren Anfang nimmt. Wir laufen noch ein Stück weiter zu Fuss und gelangen an einen «einsamen» Strand (hat noch 4 weitere Touristen 😊). Es ist ein unglaubliches Gefühl dort zu sein und zu wissen, dass wenn man noch weiter nach Süden möchte, dies nur per Flugzeug oder Schiff möglich ist. Wir geniessen noch etwas die Ruhe und machen uns dann auf den Heimweg.   

 

Am Abend um 20.15 Uhr machen wir uns auf den Weg zu Danny (der Fahrer mit der Kamera vom Morgen). Wir sind auf 21.00 Uhr verabredet und wollen den Bus nehmen. Jedoch sagt uns jeder Busfahrer (es gibt 3 Linien, A, B, C) etwas anderes…. Wir merken schon, dass wir uns verspäten und schreiben Danny eine kurze Nachricht. Er schickt uns eine Sprachnachricht zurück «tranquillo, tranquillo» 😊. Um 21.30 Uhr schaffen wir es dann und klopfen bei ihm an. Seine Frau Paddy öffnet uns die Tür und beide freuen sich sichtbar, dass wir wirklich gekommen sind. Sie zeigen uns ihr Haus und führen uns dann in einen Raum direkt unterhalb des Hauses, wo sie essen, wenn Freunde kommen. Danny heizt den Grill an, denn es gibt – was denn sonst 😉 – Asado. Die beiden sprechen kein Wort englisch, wir schaffen es aber einigermassen gut mit ihnen auf spanisch zu kommunizieren. Etwas später kommt noch eine Freundin der beiden vorbei, sie ist Englischlehrerin und kann uns alle bei der Kommunikation unterstützen 😊. Es wird ein super lustiger Abend! Wir lachen viel, erfahren viel über die Familie, über die Kultur Ushuaias und Essen wiedermal super fein! Später kommt auch noch eine Tochter der beiden und ihre Cousine vorbei. Sie spielt für uns Gitarre und wir singen zusammen. Was für ein schönes Erlebnis!! Zum Glück habe ich die Kamera am Morgen im Auto vergessen!! 😊 Erst um 4 Uhr nehmen wir ein Taxi zurück zum Airbnb. Wir müssen uns aber nicht komplett verabschieden, denn Danny hat uns für Sonntagabend zum Ravioliessen eingeladen. Er selbst produziert und verkauft diese Ravioli und als wir ihn fragen, ob wir diese irgendwo zum Probieren kaufen können, lädt er uns natürlich direkt nochmals zum Essen ein… 😊


Donnerstag, 05.03.2020 (Tag 15)

An diesem Tag gehen wir in den Nationalpark Tierra del Fuego. Wie es unser Airbnb Host empfohlen hat, versuchen wir mittels Autostopp in den Park zu kommen.  Nach ca. 15min nimmt uns ein Vater und seine Tochter (beide aus Buenos Aires) bis zum «Tren del Fin del Mundo» (Zug am Ende der Welt) mit, dessen Station etwas ausserhalb des Parkes liegt. Im zweiten Auto, das uns mitnimmt, sitzt bereits ein Paar aus Kanada und wir unterhalten uns kurz auf französisch. Beim Parkeingang angekommen kaufen wir Tickets für 2 Tage und versuchen erneut unser Glück mit Autostopp. Das dritte Auto, in dem ein französisches Paar ist, bringt uns schliesslich an den gewünschten Ort, von wo aus unsere Wanderung beginnt.

Nach obiger Wanderung (Dauer ca. 5.5h, davon 30min Pause) und anschliessendem erfrischenden Bad im Lago Roca nimmt uns ein Parkwächter in seinem Auto bis zum Parkausgang mit. Dort steigen wir in ein anderes Auto um, indem sich erneut ein Paar auf Frankreich befindet 😊 Müde von der Wanderung, bekocht uns am Abend Alfredo mit einem feinen Asado. Wir sitzen noch lange zusammen und reden. Er hat sehr viel Spannendes erlebt in seinem Leben! Unter anderem war er für 1 Jahr Mathelehrer in der Antarktis für Kinder von Wissenschaftlern. Er war mit seiner ganzen Familie da.


Mittwoch, 04.03.2020 (Tag 14)

Wir fliegen von Buenos Aires nach Ushuaia und kommen gegen halb 6 Uhr abends unten, am Ende der Welt an 😊 Die Temperatur reduziert sich um mehr als die Hälfte (es hat hier unten ca. 14°C), die Luft ist frisch und es weht eine sehr angenehme Brise! Endlich sind wir in der Natur Patagoniens angekommen!! Unser Airbnb Host Alfredo holt uns am Flughafen ab, zeigt uns nachdem wir das Gepäck abgeladen haben kurz die wichtigsten Bushaltestellen und fährt uns ins Zentrum. Wir informieren uns im Touristenoffice was es hier unten alles so zu tun gibt, gehen einkaufen und kochen dann bei Alfredo in der Küche unser Nachtessen.


Dienstag, 03.03.2020 (Tag 13)

Da es gestern bei der Tangoshow etwas später wurde, schlafen wir heute etwas länger und gehen dann ohne Frühstück direkt ins Microcentro in die Calla Florida. Dass wir diese Strasse aufsuchen hat einen Grund: Wir wollen Geld wechseln. Es gibt in Argentinien zwei ‘Märkte’ für den Geldwechsel, den offiziellen Dollarkurs, bei dem man für einen Dollar ca. 60 argentinische Pesos bekommt und den inoffiziellen ‘Dollar Blue’-Kurs, bei dem man für einen Dollar ca. 75 argentinische Pesos erhält. Als wir uns in die super geschäftige Strasse begeben, wissen wir nicht so wirklich was uns erwartet und ob wir denn auch jemanden finden, der diese Dollar für uns wechselt… Es dauert nach dem wir aus der Metro steigen keine zehn Sekunden, bis wir das erste Mal «cambio» hören. In der Strasse stehen (nicht übertrieben!) all paar Meter Frauen oder Männer, tendenziell sehr jung, die Geld zu einem guten Kurs wechseln. Vor lauter Angebot wissen wir gar nicht zu wem wir gehen sollen 😉. Da wir aus «verlässlicher Quelle» wissen, dass dies zwar nicht offiziell legal, aber es mittlerweile wegen der starken Inflation total üblich ist in Buenos Aires so Geld zu wechseln, lassen wir uns darauf ein. Einer dieser ‘Händler’ fragt uns was wir wechseln wollen. Wir antworten: US-Dollar in Pesos. Er fragt wieviel wir verkaufen und gibt uns dann an, wieviel Pesos wir dafür bekommen. Natürlich gibt er uns weniger als den momentanen Dollar-Blue-Kurs an (diesen Kurs kann man übrigens einfach Googeln 😉). Wir zeigen ihm dann einen Screenshot mit dem aktuellen Kurs und hoffen, dass er damit einverstanden ist. Er überlegt es sich kurz und gibt uns dann einen Zettel mit einer Stock- und Zimmernummer im Gebäude direkt hinter ihm an. Er meint, wir sollen da hin und dort bekommen wir das Geld. Irgendwie fühlt sich das doch schon ziemlich ‘inoffiziell’ an, aber – wie gesagt – dies ist ja aus guter Quelle Gang und Geben hier. Also gehen wir die 4 Stockwerke in dem leicht schäbigen Gebäude hoch und finden uns vor einer Türe mit drei Kameras davor wieder. Es hat ein Schild an der Tür an dem steht: 1mal klingeln und warten, was wir dann auch tun. Gespannt warten wir was passiert. Die Türe geht auf, und ein Mann lässt uns in den Raum von ca. 3 auf 3m Grösse in dem sich vier Männer befinden. Hinter der normalen Tür befindet sich zusätzlich eine Sicherheitstür aus Eisenstäben, welches hinter uns auch wieder geschlossen wird. Wir werden gebeten uns an einem grossen Bürotisch zu setzten, hinter dem ein dicker Typ mit Silberkette sitzt (er sieht ein Bisschen wie ein Bandenmitglied aus einem Film aus 😉). Wir geben ihm die Dollars, denn er wurde vom Mann unten auf der Strasse per Whats-app schon informiert um wieviel Dollar und zu welchem Kurs es sich handelt. ‘Der Dicke’ nimmt das Geld entgegen und schickt uns dann zum Bürotisch nebenan, wir würden die Pesos da bekommen. Der Typ hinter dem zweiten Tisch hat eine riesige Tüte mit Geldscheinen neben sich, nimmt die 22'350 Pesoso (umgerechnet 300 Dollar) aus der Tüte und legt diese in die Zählmaschine auf dem Tisch. Er lässt sie 2mal durch, um uns zu zeigen, dass der Betrag wirklich stimmt. Wir packen das Geld ein und werden dann auch schon wieder vom dritten Mann an der Tür aus dem Zimmer geleitet. Der vierte Mann sass nur die ganze Zeit wortlos auf dem Sofa und spielte am Natel. Wie gern hätten wir das Ganze gefilmt! Es hat sich angefühlt wie in einem Film 😊 Sorry für unsere lieben Familienmitglieder, die nun einen Schock von dieser Erzählung bekommen. Aber es hört sich deutlich schlimmer an als es war, da dies wirklich ‘normal’ ist in Buenos Aires! Nun gut, nach diesem aufregenden Morgen, gehen wir was kleines Frühstücken und laufen am Obelisco vorbei zum Opernhaus Teatro Colón wo wir eine Führung in Englisch gebucht haben. Neben dem, was heute Abend noch passiert, mein absoluter Favorit der Stadt!!! Die Führung war spannend, lehrreich und das Opernhaus ist wunderschön! Nach dieser tollen Führung spazieren wir über den Plaza General San Martin am Torre Monumental vorbei zum Hafen Puerto Madero. Die Strasse direkt am Hafen ist voll mit Bars und Kaffees und wir machen dort einen kleinen Stopp und essen einen Burger mit Blick direkt auf die Puente de la Mucher. Wir gehen nach Hause und ruhen uns noch kurz aus, denn wir haben noch etwas vor heute Abend 😊. Auf 19.30 Uhr gehen wir ins ‘la Cathedral’ – ein altes Fabrikgebäude in dem abends Milongas stattfinden und man auch was Kleines trinken und essen kann. Die Stimmung hier ist sehr locker, es ist dunkel, nur mit kleinen Lampen und Kerzen beleuchtet und überall stehen künstlerische Bilder oder Skulpturen rum. Man bezahlt einen günstigen Eintritt und mit einem kleinen Aufpreis, kann man direkt noch einen Tango-Anfängerkurs machen. Das lassen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und tragen uns direkt ein. Wir sind zwar nicht die einzigen Ausländer, aber die einzigen, die sehr wenig spanisch sprechen. Immerhin aber nicht die einzigen Anfänger. Der Kurs macht richtig Spass! Und wenn man dem Tanzlehrer glauben kann, machen wir ‘Suissos’ das sogar ganz gut 😊 Durstig und hungrig nach der Tanzeinlage bei gut 30°C, setzten wir uns an einen Tisch und bestellen uns etwas. Denn eigentlich wollten wir ja vor allem auch den anderen beim Tango tanzen zuschauen. Bei Milongas kann jeder einfach vorbeigehen, es wird Tangomusik gespielt und wer will, kann tanzen. Bevor es richtig los geht, können wir noch einen fortgeschrittenen Kurs beobachten – das sieht ganz schön schwierig aus! Danach folgt aber doch nochmal ein Anfängerkurs… In diesem Kurs geht es nicht auf mit der Anzahl TänzerInnen. Alle sind mit Partner da, ausser einem alten Herrn. Der Kursleiter fragt nach ein paar Minuten zwei junge Damen neben uns ob jemand von ihnen mit ihm tanzen würde, diese verneinen aber beide. Nach einem kurzen zögern, stehe ich auf und frage den Herrn, ob ich mit ihm tanzen soll. Er freut sich sehr darüber und wir machen gemeinsam den ganzen Kurs 😊. Er spricht kein Wort englisch und wir versuchen uns etwas auf Spanisch zu unterhalten. Kombiniert mit den Tanzschritten und der Musik gestaltet sich das aber etwas schwierig 😉. Nach dem Kurs kommen noch 2 Paare, die ein paarmal tanzen – wunderschön!! Der Tango hier ist unserer Meinung nach viel schöner, ruhiger und intimer als bei der Tangoshow. Es ist schon nach 1 Uhr und die Band hat noch nicht angefangen zu spielen (der Tango läuft ab Band) und es kommen soweit wir sehen auch keine neuen Paar mehr. Obwohl wir gerne noch etwas mehr und vor allem auch die Live-Musik gesehen hätten, sind wir langsam zu müde und entschliessen uns schlafen zu gehen.


Montag, 02.03.2020 (Tag 12)

Wir bewegen uns in Buenos Aires vor allem mit der Metro und dem Bus vorwärts. Von Anna-Rosa haben wir eine Sube-Karte bekommen. Diese kann man mit Geld aufladen und dann kontaktlos im Bus und Metro bezahlen. Eine Fahrt kostet ca. 20 Pesos, was umgerechnet ca. 30 Rappen sind. Wir besuchen heute den grossen Friedhof la Recoleta spazieren dann bis zum Mueso de Arte Latinamericano de Buenos Aires – MALBA und besuchen die dortige Ausstellung. Diese, wie auch das wunderschöne Gebäude selbst sind sehr empfehlenswert! Nach einer kurzen Busfahrt ins Stadtviertel Palermo genehmigen wir uns einen riesigen Lunch (wir essen beide nicht ganz auf :-/) und spazieren durch die bunten Graffiti-Strassen. Wir haben für heute Abend eine Tango-Show im El Querandí gebucht und wir freuen uns schon riesig darauf 😊. Es war nicht ganz einfach eine Show zu finden, da die Auswahl gross und die Beurteilungen auf Google und Tripadvisor komplett unterschiedlich sind. Wir haben uns für eine eher kleinere Show mit Nachtessen entschieden. Wir kommen an und merken, dass wir mit Abstand die Jüngsten im ganzen Saal sind – besser gesagt, sind wir bisher die einzigen nicht-grauhaarigen… 😊 Das Essen wird sehr schnell serviert, wir können Vorspeise, Hauptgang und Nachtisch aus einer Karte mit je ca. 3 Optionen auswählen. Das Essen ist gut, aber die Kellner wirken etwas gestresst, anscheinend wollen sie, dass alle mit dem Essen fertig sind, wenn die Show beginnt. Wir essen extra langsam, damit wir nicht zu lange ohne Essen auf die Show warten müssen 😉. Um ca. 22.15 Uhr beginnt diese, welche uns durch die verschiedenen Epochen des Tangos führt, von den Anfängen bis zum heutigen modernen Tango. Die MusikerInnen, SängerInnen und TänzerInnen sind hervorragend (meiner Beurteilung nach könnten die Tanzpaare locker an einer WM teilnehmen!)


Sonntag, 01.03.2020 (Tag 11)

Am Sonntagmorgen brunchen wir gemütlich auf der schönen Terrasse und packen dann unsere Rucksäcke wieder zusammen. Wir verabschieden uns von diesem wunderschönen Ort und von der herzlichen Familie. Carolina und Amaya werden wir dann in Ecuador wieder sehen 😊. Heiner fährt uns nach Pilar, von wo aus wir dann den Bus in die Innenstadt nehmen und dann direkt zu unserem Hostel «Chill House» fahren. Bis wir uns dann mit der Metro Richtung San Telmo an den Flohmarkt begeben, ist schon 15.00 Uhr. Das bunte Stadtviertel mit vielen kleinen Antiquitäten-Märkten und Strassenkünstlern (Zauberer, Tangotänzer, Charlie-Chaplins, Marionetten-Theater,…) gefällt uns sehr gut. Besonders angetan hat es uns eine grosse Markthalle voll mit Essbuden. «Leider» haben wir uns kurz vorher ein Glacé bei Freddo gegönnt und deshalb gar keinen Hunger :-/. Wir gehen hoch bis über die Plaza de Mayo und bestaunen das Casa Rosada und la Cathedral. Auf dem Rückweg gehen wir im Café Tortoni – Buenos Aires’ ältestes und berühmtestes Café  -  auf einen Café und eine heisse Schokolade vorbei. Das leckere, ‘kalte Küche’ Nachtessen gibt’s nur ein paar Fussminuten vom Hostel entfernt in der Weinbar Musetta, die uns Carla empfohlen hat.


Samstag, 29.02.2020 (Tag 10)

Wir bleiben 2 Nächte und 1,5 Tage im «Casa Schärrer» 😉 und geniessen diese ruhige, gesellige und wunderschöne Atmosphäre in diesem schönen, grossräumigen Haus mit grossem Garten und Pool. Auch was das Essen angeht werden wir von Anna-Rosa, Heiner und Carolina richtig verwöhnt 😊. Wir machen einen kurzen Spaziergang zu Carolinas Onkel und Tante, die nur 10Minuten zu Fuss im gleichen Countryclub ein Haus haben. Die kleine, nun schon 3 Monate alte Amaya ist natürlich auch immer dabei 😊. Wir haben wirklich ein sehr heisses Wochenende erwischt und sind froh den ganzen Nachmittag einfach am und um den Pool herum zu quatschen und zu plantschen. Am späteren Nachmittag bauen wir zum ersten Mal unser Zelt auf, damit wir bei unserer Tour im Torres del Paine Nationalpark schnell und effizient im Aufbau sind. Am Abend gehen wir nach einer spontanen Picada (Apéro) noch alle zusammen und mit Carolinas Cousine und ihrem Freund an eine Verkleidungs-Grillparty bei Caro’s Onkel. Zum Glück hat uns Carla Kostüme aus Buenos Aires mitgebracht, damit auch wir uns verkleiden können. Es wird ein lustiger Abend mit feinem Essen (wie immer mit viel Fleisch 😉), Musik zum Tanzen und vielen Versuchen auf Spanisch mit den anderen Gästen zu kommunizieren.


Freitag, 28.02.2020 (Tag 9)

Wie bereits am Vortag stehen wir später auf als geplant. Eigentlich wollten wir früher im Nationalpark Iguazú (argentinische Seite) sein um den Menschenmassen aus dem Weg zu gehen. Dieses Mal gehen wir mit dem ganzen Gepäck zur Busstation los. Dort angekommen hält ein Auto an und fragt uns zuerst auf spanisch und dann englisch, wo wir hinwollen. Nach nur wenigen Sekunden stellt sich heraus, dass es ich um ein offizielles Taxi handelt. Nach einem kurzen Wortwechsel steigen wir ein, da wir nicht wissen, wann der Bus kommt und wir nicht noch später im Park sein wollen. Wahrscheinlich deutlich teuer als der Bus kommen wir ohne Probleme an. Der Taxifahrer gibt uns noch seine Visitenkarte und meint wir sollen ihn anrufen, wenn wir draussen sind, dann bringt er uns direkt zum Flughafen. Wir einigen uns direkt auf 18.00Uhr. Bevor der Taxifahrer wieder wegfährt, erkundet er sich noch kurz beim Parkpersonal, wo die Schliessfächer sind. Wir verstauen das Gepäck, kaufen die Eintrittskarten und bewegen uns in den Park. Im Park selber gibt es v.a. 3 Hauptwege. Den upper Trail, (1’750m) lower Trail (1’400m) und die Bahn zum Garganta del Diablo. Der Park ist deutlich grösser als auf der brasilianischen Seite, so dass sich die Menschenmassen besser verteilen und wir uns deutlich wohler und weniger gestresst fühlen. Wir machen zuerst den oberen Trail und dann den unteren Trail. Diese führen über Eisenstege durch den Wald in die Nähe der Wasserfälle, wo wir eine atemberaubende Aussicht auf diese haben. Danach essen wir ein Sandwich, nehmen ein Glace und begeben uns zur der Parkeisenbahn, welche uns in Richtung Garganta del Diablo bringt. Dort angekommen, laufen wir ca. 600m über Stege, welche über die einzelnen Flussausläufer führen, bis wir oberhalb vom Garganta del Diablo ankommen, wo die Wassermassen in eindrücklichem Ausmass und lautem Getöse ca. 60-80 Meter in die Tiefe stürzen. Danach geht es zurück zum Parkeingang. Die argentinische Seite hat uns auf Grund der diversen Wege und Aussicht deutlich besser gefallen als die brasilianische Seite (aber diese ist natürlich auch sehenswert). Etwas früher als geplant rufen wir den Taxifahrer an, welcher uns dann direkt zum Flughafen bringt. Wir kommen ca. 3h Stunden vor dem geplanten Abflug an, essen einen kleinen Salat und schreiben an unserem Tagebuch, bevor das Flugzeug pünktlich um 20.00 nach Buenos Aires abhebt. Wir kommen am Stadtflughafen Buenos Aires-Jorge Newbery an, wo uns Carolinas Vater Heiner abholt. Nach ca. 50Minuten Autofahrt kommen wir um ca. 23.30Uhr in Las Calandrias in der Nähe von Pilar an, wo wir sogleich im grossen und bequemen Bett einschlafen.


Donnerstag, 27.02.2020 (Tag 8)

Etwas später als geplant wachen wir auf, packen alles fertig zusammen und dürfen unser Gepäck unter der Treppe vom Airbnb Haus einschliessen. Dann machen wir uns zu Fuss auf den Weg zum ca. 20min entfernten städtischen Busterminal. Dort angekommen warten wir ca. 10min bis der Bus losfährt. Nach erneut 40 Minuten kommen wir beim Iguaçu National Park auf der brasilianischen Seite an. Kaufen uns am Automat 2 Tickets und warten nochmals 15 Minuten bis wir auf die vom Nationalpark eigenen Bus einsteigen können. Diese bringen uns dann zu den Wasserfällen. Wir steigen aus und begeben uns mit «hundert» anderen Touristen auf den einzigen Trail. Bei jedem Aussichtpunkt auf die Wasserfälle warten die meisten Touristen und einige wenige drängeln vorbei. Jeder versucht das beste Foto resp. Selfie zu schiessen. Nicht einmal beim Hauptaussichtpunkt angekommen regen wir uns wegen den Massen an Touristen auf und gehen teilweise nur im Schneckentempo weiter. Leider gehören auch wir dazu und versuchen, wenn wir schon mal dort sind, einige einigermassen gute Fotos zu schiessen 😊. Nach ein paar hundert Metern und einige Zeit später kommen wir schliesslich bei der Hauptattraktion mit Sicht auf die grossen Wasserfälle, dem Mirante da Garganta do Diabo an. Um dorthin zu gelangen müssen wir über einen ca. 150m langen Steg. Und da sind noch mehr Touristen als auf dem Trail zuvor. Jetzt heisst es Augen zu und durch. Auf jeden Fall hat es sich gelohnt. Wir haben einen wundervollen Ausblick. Nach ein paar Fotos geht es dann wieder zurück. Wir brauchen für die kurz Strecke eine gute halbe Stunde. Danach geht es hoch zu den Bussen und wir fahren wieder zurück zum Haupteingang. Dort nehmen wir wieder den Bus zurück in die Stadt. Auf dem Weg zurück zum Airbnb Haus genehmigen wir uns zum letzten Mal auf dem Boden Brasiliens ein Açai an einem Take away Stand sowie für jeden nochmals ein Pão de Queijo, das bekannte Käsebrot. Wir holen unser Gepäck, bestellen uns einen Uber und bewegen uns zum dritten Mal zum selbigen Busterminal. Im Nachhinein wäre es einfacher gewesen mit dem Gepäck direkt in den Nationalpark zu gehen, da es dort Schliessfächer gehabt hätte. Naja am Ende ist man immer schlauer.  Wir fragen bei der Touristeninformation nach dem Grenzbus, welcher von Foz do Iguaçu (Brasilien) nach Puerto Iguazú (Argentinien), und finden ihn auf der gegenüberliegen Strassenseite vom Busterminal.  Kurz nach dem wir einsteigen fährt er los und nach 25min kommen wir an der Grenze an. Da der Bus direkt weiterfährt und nicht auf uns wartet bis wir den Ausreisestempel haben, begeben wir uns mit dem gesamten Gepäck zur Grenzkontrolle. Nach erneut 25min haben wir den Stempel und gehen zu Busstation. Dort warten wir wieder ca. 25min bis endlich der richtige Bus kommt, welcher uns zur argentinischen Seite bringt. Der Bus hält an und der Busfahrer zeigt uns den Weg zur Passkontrolle. Nach wenigen Minuten haben wir den Stempel für Argentinien. Bevor es wieder auf den Bus geht, welcher dieses Mal auf uns wartet, schieben wir uns Gepäck durch eine Röntgenkontrollgerät. Die «sehr» junge «Grenzwächterin» scheint sich aber überhaupt nicht dafür zu interessieren was in dem Gepäck ist, da sie die ganze Zeit irgendwo anders hinschaut nur nicht auf den Monitor. Kurz bevor wir beim Busterminal in Puerto Iguazú ankommen, fragen wir den Busfahrer, ob er uns etwas früher aussteigen lassen kann, damit wir nicht soweit zum Airbnb haben. Kein Problem. Statt aber direkt zum Airbnb zu gehen suchen wir uns noch eine Bank zum Geld abheben und machen schlussendlich doch einen kleinen Umweg.  Was nicht nötig gewesen wäre, da auch hier unsere PostFinance Karte wieder nicht funktioniert wie bereits auf der brasilianischen Seite. Auf dem Weg zum Airbnb haben wir das Gefühl, dass wir durch ein eher ärmeres Viertel gehen und sind etwas überrascht von der Armut, da wir dachten in Argentinien sehe die finanzielle Situation etwas besser aus. Später erfahren wir, dass diese Region namens Misiones zu den Ärmsten des Landes gehört. Wir werden dann freundlich von Patricia empfangen, die uns alles erklärt mit Hilfe eines Stadt- und Parkplans, da unser Spanisch aktuell leider nicht ausreicht um ohne Hilfsmittel zu kommunizieren. Wir gehen dann zum Stadtzentrum. Dort finden wir endlich eine Bank, wo die PostFinance Karte ohne Probleme funktioniert. Wir schlendern weiter und kaufen uns noch Desinfektionsmittel und Insektenspray. Patricia meinte, es sterben aktuell mehr Leute an Dengue-Fieber als am Coronavirus 😊. Wir finden schliesslich einen tollen Markt und bestellen und dort mitten drin eine Apéro-Platte, kommen in den Genuss einer Tangoeinlage von einem hübschen jungen Paar und erleben leider auch die negative Seite dieser Region. Immer wieder kommen kleine Kinder an unseren Tisch und wollen etwas von unserem Essen oder versuchen selbstgebastelte Pfeifen oder sonstige Dekosachen zu verkaufen. Es sind dies vor allem Kinder von der indianisch stämmigen Bevölkerung, die zum grössten Teil, auch heute noch, zu den ärmsten Bevölkerungsschichten Argentiniens gehören. Abgesehen davon haben wir einen schönen und lustigen Abend und gehen etwas später als gedacht nach Hause.


Dienstag/Mittwoch, 25.-26.02.2020          (Tag 6+7)

Wir stehen zeitig auf, da wir uns an diesem Morgen noch ein Açai und ein paar Pão de Queijo gönnen möchten, bevor wir die laaaaange Busfahrt starten. Wir laufen ca. 15 Minuten durch Santa Teresa zu der Kreuzung, an der wir gestern das Feijoada gegessen haben. Da und dort müssen wir uns wieder durch feiernde, verkleidete Menschenmengen drücken, kommen aber relativ gut durch. Im kleinen, einfachen Café Cultivar, in dem fast nur Einheimische (Cariocas – wie man die Einheimischen Rio’s nennt 😊) frühstücken. Wir bestellen uns zwei grosse Açai mit Granola und dazu 10 kleine Pão de Queijo: Die besten, die wir bisher gegessen haben!! Dieses Café ist sehr zu empfehlen! Zurück im Airbnb machen wir uns startklar, bestellen ein Uber und lassen uns zum Busterminal Rodoviária Novo Rio fahren. Schnell finden wir uns zurecht und ‘checken’ ein. Die grossen Rucksäcke kommen in den Laderaum, die kleinen Tagesrucksäcke mit allen Wertsachen bleiben bei uns. Wir sind positiv überrascht, als wir in den Bus steigen – die Sitze sind gross und lassen sich sehr weit nach hinten klappen, es gibt herunterklappbare Ablageflächen für die Beine und WLAN (das mal funktioniert und dann wieder nicht) 😊. Wir fahren pünktlich los und schon geht auch die Klimaanlage an, die mir (Tanja) die ganze Fahrt über den Kopf bläst… Zum Glück ist sie nicht zu kalt eingestellt wie uns viele davor gewarnt haben. Wir bekommen zudem eine Decke und unsere Pullover und Daunenjacken kommen nicht zum Einsatz. Wir merken schnell, dass die Sitze für den Nacken sehr unbequem sind… das kann ja heiter werden 😉. Auch können wir die Sitze nicht soweit nach hinten stellen wie die anderen Mitreisenden, da hinter uns eine Wand ist. Unseren ersten Stopp machen wir bereits nach ca. 2,5h, dauert 45min und wir können unsere Beine etwas vertreten zu Verhinderung einer Thrombose 😊. Danach folgen mehrere Stopps entweder für eine kurze Pause oder andere Passagiere müssen aus-/einsteigen. Während der gesamten Fahrt versuchen wir etwas zu schlafen, schauen uns die vorbeiziehenden Landschaften an, Lesen ein wenig, schauen insgesamt 2 Filme («The Irishman» und «Mogli: Legende des Dschungels») und haben ggl. etwas Rückschmerzen. Wir nutzen daher jeden Stopp und laufen vor dem Bus hin und her. Während der Fahrt gibt es mehrere Fahrerwechsel – zum Glück. Da wir uns nicht einig sind wie viele, sagen wir einfach 3 oder 4 (mehr waren es nicht).

Die Fahrt mit dem Busunternehmen Viação Catarinense geht via São Paulo nach Foz do Iguaçu. Nach geschlagenen 28.5 Stunden und ca. 1470km (Zum Vergleich die gleiche Distanz liegt zwischen St.Gallen und Valencia) kommen wir endlich am nächsten Tag um ca. 17.40Uhr am Busterminal Rodoviària Internacional in Foz do Iguaçu in einigermassen gutem und wachem Zustand an. Unser Airbnb ist nur 1.5km entfernt, wir möchten aber so schnell wie möglich Duschen und nehmen uns, da die Uber-App nicht funktioniert, zum ersten Mal ein Taxi. Nach der erfrischenden Dusche, welche etwas mehr Wasser hatte als die in Rio machen wir uns auf in das ca. 5min zu Fuss entfernte Shopping-Center. Wir versuchen dort – erfolglos – Geld abzuheben, essen eine Kleinigkeit und gehen dann in unser Zimmer zurück. Dani telefoniert kurz mit Röbi über Whatsapp um die Postcard-Problematik anzugehen. Wir bereiten unsere Rucksäcke für den Ausflug zu den Iguaçu Wasserfällen am nächsten Tag vor und schlafen danach auch schon bald ein.


Montag, 24.02.2020 (Tag 5)

An diese Morgen entscheiden wir uns die bekannte Straßenbahn Santa Teresa (Bonde de Santa Teresa), die älteste elektrische Bahn Südamerikas, zu nehmen um den Stadtteil, in dem wir wohnen, noch etwas besser kennenzulernen. Mit ca. 40 anderen Touristen gehen wir auf «grosse» Fahrt. Die Fahrt beginnt am Rande des Centro. Zuerst überqueren wir den Aqueduto da Carioca und fahren dann ruckelnd und mit quietschenden Rändern durch die Strassen von Santa Teresa bis zur Bushaltestelle an der «Rua Gomes Lopes próximo ao 12». Von dort sehen wir den Cristo Redentor, welcher links von uns oben auf dem Berg Corcovado thront. Eigentlich möchten wir zu diesem hoch, da es aber bis auf die Touristen in der Strassenbahn sehr verlassen wirkt, nehmen wir dieselbe Strassenbahn zurück bis zum Platz Largo do Guimarães. Dort angekommen genehmigen wir uns im Restaurant «Portella», das bekannte brasilianische Nationalgericht Feijoada. Ein Eintopf aus Bohnen und Schweinefleisch (unter anderem mit Räucherwürstchen, Zunge, Schweineohren und -füssen) serviert mit Reis, Farofa (geröstetes und angemachtes Maniokmehl), gedünsteter Wirsing sowie Orangenscheiben. Ob in unserem Eintopf wirklich Zunge, Ohren oder Füsse waren, können wir nicht genau sagen. Nach dieser herzhaften Mahlzeit fahren wir mit einem Uber hoch zum Cristo Redentor. Oben angekommen ist das Wetter zunehmend schlechter mit starker Bewölkung und etwas Regen. Der Cristo selbst ist gemäss Webcam im Nebel. Auf Grund dessen sowie den Massen an Touristen entscheiden wir uns mit einem Uber wieder zurück in die Stadt zu fahren. Auf dem Nachhauseweg kaufen wir im Supermarkt unser Abendessen sowie etwas Proviant für die ca. 26-stündige Busfahrt nach Foz do Iguaçu am nächsten Tag. Am Abend schreiben wir an unserem Tagebuch und packen alles zusammen für die Abreise.


Sonntag, 23.02.2020 (Tag 4)

An diesem Morgen wollen wir uns zu Fuss auf den Weg zum Museo Historica Nacional machen.  Gemäss Lonely Planet soll man die Umgebung um das Centro abends und vor allem am Wochenende meiden. Da jedoch einige Leute unterwegs sind, wahrscheinlich auch wegen dem Karneval, nehmen wir den Weg am Rande vom Centro trotzdem auf uns. Mit der Zeit werden die Menschenmassen immer weniger und wir passieren eine Rotkreuzhilfestelle sowie ein paar Busfahrer. Plötzlich stehen wir relativ alleine an einer Strassenkreuzung, in Sichtweite nur einige Obdachlose.  Mit einem leicht mulmigen Gefühl entscheiden wir uns den Marsch zu Fuss aufzugeben. «Zum Glück» sehen wir nicht weit von uns entfernt ein Hotel mit ein paar Touristen und steuern dieses an. Dort angekommen bestellen wir ein Uber und fahren anstatt zum Nationalhistorischen Museum direkt zum Museu do Amanhã. Da wieder diverse Strassen wegen Blocos blockiert sind, müssen wir einen kleinen Umweg fahren, vorbei am Sambódromo und eine kurze Strecke am Rande einer Favela entlang. Dort stellt der Fahrer, wie auch das Auto vor uns, die Warnblinker an. Der Fahrer versucht uns auf portugiesisch den Grund dafür zu erklären. Aufgrund der Sprachbarriere vermuten wir, es hat etwas mit der Sicherheit der durchfahrenden Autos zu tun. Später erfahren wir von einem anderen Uber-Fahrer, dass die Warnblinker eine Art Code sind. Durch Google-Recherche finden wir einen Ausschnitt im Buch von Lutz Taufer «Über Grenzen: Vom Untergrund in die Favela». Dort drin steht, dass das Einschalten der Warnblinker ein Zeichen ist, dass man Bescheid weiss und die Macht der Drogenhändler anerkennt. Schliesslich kommen wir sicher und ohne Probleme bei unserem gewünschten Ziel an. Leider sind die meisten Museen wegen des Karnevals geschlossen oder haben andere Öffnungszeiten und wir spazieren der Küste entlang bis zum Nationalhistorischen Museum. Natürlich treffen wir unterwegs wieder auf einen Bloco und kleiden uns kurzerhand selbst mit ein wenig Kostümzubehör und Plastikregenmäntel ein (es ist ja schliesslich Regenzeit und wir haben für am Abend Tickets für den Sambódromo). Mit einem Uber fahren wir dann zur Copacabana, wo wir mit Kohldampf ein Café oder Restaurant suchen. Zum ersten Mal probieren wir das hier sehr beliebte Acai - ein kaltes Palmbeeren-Purée, serviert nach Wahl mit Müesli, Bananen, Erdbeeren oder sonstigen Zutaten. Seeehr lecker 😊. Gestärkt verbringen wir den Rest des Nachmittags am Strand und gehen auf dem Nachhauseweg einkaufen. Nach dem gemütlichen Nachtessen im Vorhof machen wir uns startklar für den Sambódromo. Wir wollen eigentlich für diesen Abend die gekauften Accessoires anziehen, erfahren aber von Leo und seinen Freunden, dass man dies eher bei den Blocos macht und weniger am Sambódromo. Es bleibt daher bei einem Paar ausgefallenen Ohrringen für Tanja und einer Blumenkette für Daniel 😊. Mit etwas Verspätung kommen wir beim Sambódromo an. Wir haben unsere Plätze im Sektor 7. Oben auf der Tribüne angekommen erwartet und das grosse und bunte Spektakel mit tausenden von Zuschauern (bis zu 88'555) und Tänzern und Tänzerinnen in ihren farbenprächtigen und ausgefallenen Kostümen begleitet von riesigen Festwagen mit unterschiedlichen Motiven.  Der Sambódromo ist ca. 700m lang und die unterschiedlichen Sambaschulen präsentieren sich während ca. 60-80 Minuten zu ein und demselben Lied, welches aus den unzähligen Lautsprechern erklingt. Wir sehen insgesamt 4 von 6 Sambaschulen an diesem Abend. Das Spektakel dauert normalerweise von ca. 21.00Uhr bis 06.00Uhr morgens. Um ca. 03.00 Uhr werden wir langsam zu müde um dem Ganzen zu folgen und begeben uns auf den Heimweg.


Samstag, 22.02.2020 (Tag 3)

Die erste von ganz vielen weiteren Nächten unserer Reise war gut 😊. Wir waren so erschöpft, da wir die Nacht vor dem Flug und die Nacht im Flugzeug kaum geschlafen haben, dass wir ohne Probleme -trotz Karneval-Lärm- eingeschlafen sind. Leo’s Mutter bietet mir (Tanja) am Morgen einen Kaffee an und kurz darauf machen wir uns auf den Weg ins Zentrum von Santa Teresa (natürlich mit Glitzer im Gesicht, die einzige Verkleidung, die wir haben – von Leo’s Mutter). Dort oben soll heute Morgen ein Bloco durchmarschieren. Wir wissen nicht, ob dieser schon vorbeigegangen ist, aber wir versuchen unser Glück. Auf dem Weg treffen wir auf immer mehr verkleidete, junge Menschen, die auf der Strasse singen und tanzen. Die Strasse wird immer voller, bis wir uns kaum noch durch die Menge bewegen können. Wir entscheiden uns mit dem Rücken zu einer Steinwand zu stehen und das Ganze von dort zu beobachten. Es ist ein unglaubliches Spektakel! Eine riesige, laute und feuchtfröhliche Strassenparty mit den wildesten und knappsten 😉 Kostümen und das um 10.30 Uhr morgens 😊. Wir hören den Bloco (die Trommeln und Blasinstrumente) immer näherkommen und sehen von Weitem Verkleidete auf Stelzen. Die Party reisst uns mit und wir tänzeln (wenn auch mit europäischer Zurückhaltung) mit. Nach ca. einer Stunde sind wir durstig und hungrig, verpflegen uns an einem der vielen Strassenstände, drängen uns aus der Menge und bestellen uns ein Uber. Wir gehen zum Zuckerhut (Pão de Açucar) mit der bekannten Seilbahn, wo James Bond (Roger Moore) gegen «Beisser» im Film Moonraker (1979) auf dem Dach der Seilbahn kämpfte. Oben angekommen, teilen wir den schönen Ausblick auf Rio mit europäischen sowie asiatischen Reisegruppen. Da oben mit dieser Aussicht geniessen wir einen ‘Becher’ voll mit kleinen Pão de Queijo – Käsebrot - in Form von kleinen Bällchen – typisch brasilianisch. Leider ist es etwas bewölkt, dennoch zeigt sich uns, bevor wir den Berg verlassen, Jesus, der Erlöser (Cristo Redentor) zwischen den Wolken. Unten angekommen nehmen wir wie immer ein Uber-Taxi und begeben uns zum Parque Lage. Wir finden dort eine wunderschöne Villa mit einem Innenhof in dem sich ein Pool und ein Café befinden. Wir bewundern diesen wunderschönen Ausblick, den Kontrast des schönen Gebäudes inmitten der Natur und amüsieren uns sofort darauf über die mit Absperrungen organisierte Menschenschlange für Selfies 😊. Im Anschluss laufen wir zum Jardim Botânico. Leider kommen wir nicht weit, da wir auf einen Bloco treffen, welcher die Strasse zum Eingang blockiert. Da wir nicht drauf vorbereitet sind und mit unseren normalen Outfits unter den Tausenden tanzenden und verkleideten Menschen auffallen, bestellen wir uns «schnell» erneut ein Uber-Taxi und fahren zum Strand an die Copacabana. Dort genehmigen wir uns 1-2 Caipirinhas und machen es uns am Strand gemütlich. Damit Nichts gestohlen werden kann, gehen wir jeweils einzeln ins Meer 😊, gehen dann was essen und machen uns auf den Heimweg. Natürlich wieder mit Uber. Nach einer erfrischenden Dusche zu Hause, setzten wir uns mit dem Laptop und dem Reiseführer in den Vorhof und planen unsere nächsten Tage in Rio.


Freitag, 21.02.2020 (Tag 2)

Wir landen um 06.10Uhr morgens am Rio de Janeiro-Galeão International Airport (GIG). Aus dem Flugzeug ausgestiegen, warten wir ca. 60min, bis wir bei der Passkontrolle durch sind. Geschafft. Kaum um die Ecke winken uns mehrere Leute von Geldwechselstuben zu, dass sie den besten Wechselkurs haben. Je mehr man wechselt, desto besser der Kurs. Wir entscheiden uns für einen mittleren Betrag mit dem mittleren Wechselkurs 😊. Wir nehmen im Anschluss das Gepäck, begeben uns zum Ausgang und wollen ein Uber-Taxi bestellen. Beim Ausgang sehen wir zwei junge Frauen (die eine aus Polen, die andere aus Tschechien, beide arbeiten und wohnen in Dublin) und sprechen sie an, ob sie mit uns die Fahrt in die Stadt teilen möchten. Zu viert inkl. 4 grossen Rücksäcken (einer davon auf Tanjas Schoss) quetschen wir uns ins Auto. Auf der Fahrt in die Innenstadt nach Santa Teresa resp. Botafogo merken wir auf Google Maps, dass der Fahrer eine komplett andere Richtung einschlägt. Bis er uns auf portugiesisch erklärt, dass es auf Grund des Karnevals schneller sei, wenn wir die «Ringautobahn» nehmen. Zum Glück kann eine der beiden Frauen, die mit uns das Uber teilen, ein wenig spanisch/portugiesisch 😊. Nach fast 90min kommen wir endlich in Botafogo an, wo uns die 2 Mädels verlassen und wir mit dem Fahrer nochmals ca. 20min unterwegs sind. 10 Meter vor dem Airbnb Haus lädt er uns in Santa Teresa an der Ladeira de Santa Teresa 105 ab. Etwas erhöht auf einem Hügel mit Blick auf das Centro. Léo, der Vermieter ist nicht da, dafür seine Schwester, Mutter und Tante. Auf spanisch, portugiesisch, englisch, mit ‘Google-translate’ und mit den Händen verständigen wir uns. Wir lassen das Gepäck liegen, nehmen die bekannte Treppe Escadaria Selarón und bestellen uns ein Uber-Taxi, welches uns direkt ohne Umwege zum Club Israelita Brasileiro in Copacabana bringt. Dort wollen wir unsere Tickets für den Sambódromo (grosser Umzug / Wettbewerb der besten Sambaschulen) holen. Leider habe ich, Dani, meine Passkopie im Rucksack liegen gelassen. Ohne Pass: kein Ticket. Netterweise brachte mich ein Mitglied der Sambaschule auf die gegenüberliegende Strassenseite in einen Copy-Shop. Problem gelöst. Im Anschluss erkunden wir den Strand von Copacabana sowie Ipanema und kaufen uns für am Abend Pasta und Gemüse. Auf dem Heimweg gehen wir beim Lagoa Rodrigo de Freitas vorbei. Langsam wird es dunkel und es kommen immer mehr Einheimische mit selbstgebastelten Wagen. Wie wir später feststellen, handelt es sich dabei um rollende, selbstgebaute Kühlboxen, in denen sie Getränke kühlen und an den Blocos verkaufen. Blocos und Bandas sind ein Team aus Leuten die Partys mit Musikbegleitung und Tanz organisieren. Sie ziehen durch die Strassen und alle Zuschauer sind auch verkleidet und singen und tanzen mit. Eigentlich wie bei uns in Basel die Cliquen. Wir bestellen uns ein Uber und kommen ohne Umweg zur Treppe Escadaria Selarón. Hier läuft gerade eine riesige Strassenparty ab (wahrscheinlich war gerade ein Bloco hier). Alle sind verkleidet, singen, tanzen und trinken. Kurz bevor wir Zuhause sind, ergiesst sich ein Platzregen, die Strassen sind voll von Bächen und die Leute suchen Schutz im Trockenen. Am Abend beim Nachtessen sitzen uns die Mutter und die Tante von Leo gegenüber am Esstisch. Sie bekleben die Karneval - T-Shirts mit glitzernden Strasssteinen und farbigen Bändern. Wieder versuchen wir uns mit Händen und Füssen zu verständigen und erfahren, dass sie heute Abend noch an den Sambódromo zum Umzug fahren. Die T-Shirts wollen sie dort anziehen und dazu haben sie sexy silbrige Shorts gekauft. Als dann später Leo und sein Freund nach Hause kommen, bemerken wir das Missverständnis: Die Kleider sind nicht für seine Mutter und Tante, sondern für ihn und seinen Freund, sie beide gehen Heute Abend damit zum Sambódromo :-)


Donnerstag, 20.02.2020 (Tag 1)

Mit ca. 40min Verspätung fliegen wir am Donnerstag, 20.02.2020, vom Flughafen Zürich ab und landen ca. 16.10Uhr in Lissabon. 6 Stunden Aufenthalt. Wir schlendern durch das Flughafenterminal auf der Suche nach etwas Kleinem zu Essen und machen es uns dann bei den Sitzen mit den Stromversorgungen «gemütlich». Etwas später gönnen wir uns ein Sandwich und 1 Glas Wein zum Anstossen auf unsere bevorstehende 8-monatige Reise. Pünktlich hebt der Flieger nach Rio de Janeiro ab.